Bei dem Begriff Homeschooling stehen einigen Eltern inzwischen die Haare zu Berge, während andere die Zeit als nicht allzu belastend empfunden haben. In zwei Studien wurden 2020 jeweils über 3.000 Eltern befragt. Die Unterschiede in der Wahrnehmung hingen sowohl von der Schule als auch vom persönlichen Hintergrund ab.

Homeschooling ist eine Zusatzbelastung
Alle Eltern haben während des Homeschoolings eine Zusatzaufgabe übernommen: Zusätzlich zum Job und zu allen anderen Alltagsaufgaben galt es, das Kind beim Lernen zu unterstützen, Aufgaben zu kontrollieren und oft auch an die Lehrkräfte zu senden.
Laut Forsa-Umfrage gaben 57 Prozent der Eltern an, dass sie mit dem Homeschooling gut oder sogar sehr gut hätten umgehen können. 14 Prozent konnten die Doppelbelastung gar nicht gut aushalten, 26 Prozent weniger gut.
Gründe für die unterschiedliche Wahrnehmung
Ob das Homeschooling gut klappte oder nicht, hing von verschiedenen Faktoren ab. Diese unterschieden sich nach der persönlichen Situation der Eltern und nach den Schulen.
Zeitliche Kapazitäten
In einem Haushalt, in dem beide Eltern berufstätig waren oder ein alleinerziehender Elternteil arbeitete, fehlte oft die Zeit, sich eingehend mit den Aufgaben der Kinder zu befassen. Vor allem bei denjenigen, die in Schicht arbeiteten, ließ sich oft kein passender Zeitpunkt finden. Auch Eltern, die in dieser Zeit selbst im Homeoffice waren, fanden nur schwer die Muße, sich um die Aufgaben der Kinder zu kümmern.
Unterstützung von der Schule
Manche Eltern gaben an, dass sie von den Lehrkräften der Kinder lediglich einmal die Woche Lehrmaterial geschickt bekommen haben – ohne nähere Erläuterungen. Damit zu arbeiten, fiel vielen Befragten schwer. Eltern hingegen, die Rücksprache mit den Lehrkräften halten konnten oder genauere Anleitungen erhielten, fühlten sich sicherer mit der ungewohnten Aufgabe und bewältigen sie besser.
Persönliche Bildung
Eltern, die selbst eine pädagogische Ausbildung hatten, profitierten davon in der Ausnahmesituation sehr. Auch diejenigen, die über ein breites Wissen in den Fächern des Homeschoolings verfügten, hatten wegen der Aufgabe weniger Bedenken. Wer allerdings mit dem Stoff der Fächer nicht vertraut war oder ihn bereits zu Schulzeiten nicht verstanden hatte, fühlte sich mit der Situation rasch überfordert.
Ein Vorteil des Homeschoolings
Manche Eltern gaben an, dass sie die Lernfähigkeit ihrer Kinder samt Stärken und Schwächen durch das Homeschooling genauer verstanden haben: Beim Überprüfen der Aufgaben stellten sie fest, welche Fehler die Kinder machten und was ihnen offensichtlich leicht- und was schwerfiel. Entsprechend wussten sie, in welchen Bereichen ihre Kinder mehr Unterstützung benötigten.
Homeschooling kann klappen
Mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung durch Lehrkräfte und Schulen kann das Homeschooling im Bedarfsfall funktionieren – zumindest, wenn die Eltern die zeitlichen Kapazitäten aufbringen. Allerdings ist es für die Kinder selbst einfacher, von Lehrkräften unterrichtet zu werden: Die Eltern haben eigentlich andere Aufgaben, daher fällt es vielen Kindern schwer, sie als Lehrkräfte zu akzeptieren.